Makuladegeneration (AMD)

 

Was ist die altersabhängige Makuladegeneration?

Bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) handelt es sich um eine Sehstörung, welche vor allem das zentrale Sehen im Bereich der Makula betrifft. Die Makula ist der Bereich im Auge mit den meisten Sinneszellen, welche im Wesentlichen für die Sehleistung verantwortlich sind. Meistens ist ein progredienter Sehverlust, häufig beidseitig, zu bemerken, jedoch führen die Veränderungen auch im Endstadium nicht zu einer Erblindung, sodass die Orientierung im Raum oder der näheren Umgebung weiter erhalten bleibt. Pathophysiologisch spricht man von einer Stoffwechselstörung der Photorezeptoren und des Pigmentepithels in der Netzhaut, welche zu Ablagerungen von Abbauprodukten führt.

Häufig bemerken die Patienten eine Sehverschlechterung im zentralen Gesichtsfeld, z.B. verschwommenes Sehen, einen dunklen, grauen Fleck, Farben wirken blasser oder Linien sind verzerrt.

 

Amsler-Gitter Test zum frühzeitigen erkennen:

Abb. 1: Amlser-Gitter: Sehen Sie mit jeweils einem Auge auf den schwarzen Punkt; Sind die Linien gerade oder verzerrt?

 

Häufigkeit und Ursachen

In den westlichen Industrieländern ist die Makuladegeneration die häufigste Ursache für eine Minderung des zentralen Sehvermögens ab dem 65. Lebensjahr. Die Ursache ist noch nicht eindeutig geklärt, obwohl der Pathomechanismus bekannt ist. In Studien konnten jedoch einige Risikofaktoren ausgemacht werden, wie zum Beispiel hohes Lebensalter, genetische Prädisposition, Rauchen, Ernährung, entzündliche Prozesse sowie toxische Einflüsse oder UV-Strahlung.

Früherkennung

Noch bevor der Patient eine beeinträchtigende Sehbeeinträchtigung bemerkt, können bei einer augenärztlichen Untersuchung Veränderungen an der Netzhaut festgestellt werden. Zur Früherkennung dienen folgende Untersuchungen:

  • Sehtest
  • Amsler-Test
  • Spiegelung der Augenhintergrundes
  • Bildgebung: Fotographie, Optische Kohärenz Tomographie (OCT), Fluoreszein Angiographie (Farbstoffuntersuchung), OCT Angiographie
  • Bei spezieller Indikation: Eletrophysiologische Untersuchungen, Ultraschalluntersuchung

Stadieneinteilung

Man unterscheidet zwischen einem frühen Stadium der Makuladegeneration und einem Spätstadium. Die frühe Phase der Erkrankung ist charakterisiert durch eine progrediente, gelbliche Ablagerung von Abbauprodukten, so genannte Drusen, in der Bruchschen Membran mit einer begleitenden Hyper- und Depigmentierung der Makula. Hier ist das zentrale Sehen meist nur geringfügig beeinträchtigt.

In der Spätphase der Makuladegeneration unterscheidet man wiederum zwischen einer geographischen Atrophie („trockene“ Form) und der neovaskulären („feuchten“) Form.

Die „trockene“ Form ist gekennzeichnet durch einen langsam voranschreitenden Untergang vor allem der äußeren Netzhautschichten (geographische Atrophie) (Abb. 2). Diese Veränderungen führen zu einer erheblichen Sehverschlechterung vor allem des zentralen Gesichtsfeldes.

Abb. 2: OCT: oben rechtes Auge Normalbefund, unten rechtes Auge geographische Atrophie bei „trockener“ Makuladegeneration

 

Bei der „feuchten“ Form kommt es aufgrund von Gefäßneubildungen mit Einsprossung in die Netzhaut zu einer Flüssigkeitsansammlung unter oder in der Netzhaut da die neu entstandenen Gefäße „undicht“ sind und somit Flüssigkeit in das umliegende Gewebe austreten kann (Abb. 3 und Abb. 4). Daher entsteht im Zentrum eine Flüssigkeitsansammlung oder Schwellung, allgemein auch als Makulaödem bekannt, ggf. mit Blutungen. Hier kann es im Endstadium auch zu einer Narbenbildung kommen. Die „feuchte“ Makuladegeneration kann wiederum in einige Unterformen unterteilt werden. Die „feuchte“ Form kann jedoch im Gegensatz zur „trockenen“ Form sehr schnell zu einer Sehverschlechterung führen.

Abb. 3: OCT: oben linkes Auge Normalbefund, unten linkes Auge Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhaut bei „feuchter" Makuladegeneration

 

Abb. 4: OCT-Angiographie: oben rechtes Auge Normalbefund, unten rechtes Auge bei „feuchter" Makuladegeneration

 

Vorbeugung

Um einer Makuladegeneration vorzubeugen empfehlen wir neben einer ausgewogenen Ernährung mit Obst, Gemüse und Fisch, den Schutz vor übermäßiger UV-Strahlung. Weiter empfehlen wir zur Früherkennung und um eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung zur gewährleisten, regelmäßige Untersuchungen bei Ihrem Augenarzt ab dem 50. Lebensjahr.

Therapie

Bei der „trockenen“ Form der Makuladegeneration steht bislang keine wirksame Behandlung zur Verfügung. Bei gewissen Stadien der „trockenen“ Makuladegeneration ist eine Vitaminsubstitution nach AREDS II sinnvoll. Mehr Details hierzu erfahren Sie nach einer gründlichen Untersuchung in unserer Sprechstunde. Es gibt aktuell zahlreiche Studien mit dem Schwerpunkt Behandlung bzw. Aufhalten des Voranschreitens der geographischen Atrophie. Mehr Informationen hierzu erhalten Sie unter der Rubrik klinische Studien an unserer Universitätsklinik.

Bei der „feuchten“ Form der Makuladegeneration bietet unserer Klinik die seit Jahren etablierte intravitreale medikamentöse Therapie mit folgenden Wirkstoffen an:

  • Avastin® (Bevacizumab)
  • Lucentis® (Ranibizumab)
  • Eylea® (Aflibercept).

Es handelt sich bei allen 3 Wirkstoffen um ein Anti-VEGF Medikament. VEGF ist ein Wachstumsfaktor, der im menschlichen Körper bei Sauerstoffmangel ausgeschüttet wird und zu einer Gefäßneubildung führt. Die neuen Gefäße sind allerdings „krankhaft und undicht“ weshalb es dann zu einer Ödembildung kommt. Das Medikament wird direkt in das Augeninnere gespritzt, sodass das dort gebildete VEGF gebunden, der Gefäßneubildung entgegen gewirkt wird und das Ödem abnimmt.

Bei der oben genannten Therapieoption handelt es sich um eine symptomatische Therapie der Makuladegeneration, eine Heilung ist dadurch allerdings nicht möglich. Auch hier nimmt unserer Klinik an zahlreichen multizentrischen, klinischen Studien teil.

Bei akuten Formen der Makuladegeneration mit starken Glaskörper- oder Netzhautblutungen sollte augenärztlich überprüft werden ob ein rascher chirurgischer Eingriff erforderlich ist um das Sehvermögen langfristig zu erhalten.

Netzhaut-Laserbehandlungen oder eine photodynamische Therapie (PDT), beides beinhaltet die Verödung kranker Blutgefäße, sind keine routinemäßigen Behandlungsoptionen, können aber im Einzelfall bei Sonderformen der Makuladegeneration erwogen werden.

 

Bei Beschwerden oben geschilderter Art empfehlen wir Ihnen in unserer Spezialsprechstunde „Makuladegeneration“ (jeden Montag und Donnerstag) einen Termin zu vereinbaren. Stand der medizinischen Information ist März 2017.