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Brillen und Kontaktlinsen

Brillen und Kontaktlinsenanpassungen erfordern viel Zeit und Geduld. Wichtig ist vor allem, vorher Ihre persönlichen Wünsche und Ansprüche an das Sehen im Alltag zu kennen: Brauchen Sie die Sehhilfe zum Arbeiten, zum Lesen, für Computerarbeit oder für alles zusammen? Diese Fragen müssen zuallererst geklärt werden. Bei Kontaktlinsen oder auch bei Brillen mit komplizierten Dioptrienstärken können oft mehrere Besuche und Trageversuche notwendig sein, um die optimale Stärke der Brille bzw. den optimalen Tragekomfort  und richtigen Sitz der Kontaktlinse zu erreichen.

Was bedeuten die Dioptrienwerte?

Sie haben sich sicher schon einmal gefragt, was die Zahlen und Zeichen auf Ihrem Brillenpass bedeuten. Die Stärke der Fehlsichtigkeit wird in der Einheit Dioptrien (Dpt) angegeben. In der Regel sieht ein Brillenpass so aus:

  Sph Cyl Ach Add
RA +1,75 +0,50 90° +2,00
LA -3,50 -0,50 120° +2,0


Die Kennzeichnungen RA und LA bezeichnen jeweils das rechte oder linke Auge. In Ausnahmefällen steht anstatt R und L die lateinische Übersetzung OD (Oculus dexter = rechtes Auge) und OS (Oculus sinister = linkes Auge) auf dem Pass. Sph bedeutet Sphäre. Dies ist die Stärke der Fehlsichtigkeit. Ein Pluszeichen steht für eine Weitsichtigkeit, ein Minuszeichen für eine Kurzsichtigkeit. Cyl oder Zyl steht für Zylinder und bezeichnet die Stärke der Hornhautkrümmung. Ob ein Minus- oder Pluszeichen davor steht, spielt nur für den Optiker eine Rolle, denn der Wert kann mit beiden Zeichen ausgedrückt bzw. im Verhältnis zum sphärischen Wert umgerechnet werden. Ach oder ein Grad-Zeichen bezeichnet die Achse, in der die Hornhautkrümmung liegt. Sie wird in Winkelgraden angegeben. Add heißt Addition und gibt den Wert einer zusätzlichen sphärischen Korrektur für die Nähe an.

Ablauf einer Brillenanpassung

Als Ausgangswert für die neue Brille werden wahlweise die alten Brillenwerte oder die objektive Refraktion ( = automatische Dioptrienmessung mit einem Gerät) verwendet. Anschließend nimmt unsere Optikerin den subjektiven Abgleich vor, das heißt, sie misst mit Ihrer Hilfe die genauen Dioptrienwerte beider Augen, indem sie Ihnen verschiedene Gläserstärken zum Vergleich vorhält (berühmte Frage: "Wird es mit dem nächsten Glas besser oder schlechter?"). Die Augen werden einzeln vermessen. Mit einem Rot-Grün-Test werden die Werte beider Augen aufeinander abgestimmt um sicher zu stellen, dass beide Augen gleich beansprucht werden. Beim anschließenden Trageversuch erhalten Sie eine provisorische Brille mit den gemessenen Werten, die Sie dann 10 Minuten lang testen können. Sie sollten dabei unbedingt auch ans Tageslicht gehen und gewohnte Entfernungen testen. Wenn Sie eine Brille für verschiedene Entfernungen möchten, wiederholt sich diese Prodzedur für die gewünschte Entfernung jeweils, also zum Beispiel für Nähe und Ferne.

Materialien für Brillengläser

Glas (Vorteile: Günstiger als Kunststoff, zerkratzt nicht so schnell; Nachteile: Schwerer als Kunststoff, bricht schneller)

Kunststoff (Vorteile: Leicht, bruchfest; Nachteile: Zerkratzt schneller, teurer als Glas)

Für Kunststoffgläser gibt es die Möglichkeit eine so genannte Hartschicht aufzutragen. Sie sorgt dafür, dass das Glas nicht so schnell zerkratzt. Bei beiden Materialien empfehlen Optiker stets eine Entspiegelung. Sie sorgt für klarere Sicht bei allen Lichtverhältnissen.

Wann sollte eine Brillenanpassung verschoben werden?

Die Dioptrienstärke kann durch bestimmte Einflüsse geringfügig schwanken. Deshalb sollte eine Brillenanpassung in diesen Fällen verschoben werden: Während der Anwendung von kortisonhaltigen Augentropfen, in der Schwangerschaft und Stillzeit (Hormonveränderung), kurz nach Augenoperationen. Eine Anpassung ist zwar grundsätzlich möglich, aber es besteht die Gefahr, dass die Werte der Brille nach kurzer Zeit nicht mehr passen.

Verschiedene Brillen für jeden Bedarf

Fernbrille
Die Fernbrille ist eine Korrektur für die Ferne. Auge ist kurzsichtig = scharfes Sehen in der Nähe. Auge ist weitsichtig = scharfes Sehen in der Ferne, allerdings nur bei sehr geringer Weitsichtigkeit, ansonsten ist trotzdem eine Fernbrille notwendig.
Lesebrille (auch Nahbrille genannt)
Eine Lesebrille braucht man, wenn man Alterssichtig wird. Das passiert jedem Menschen etwa ab dem 45. Lebensjahr. Die natürliche Augenlinse verliert mit zunehmendem Alter die Fähigkeit sich auf verschiedene Entfernungen einzustellen und benötigt Unterstützung durch eine Lesebrille.
Bifokalbrille, Gleitsichtbrille (Multifokale Brille)
Die Gläser einer Bifokalbrille bestehen aus zwei Zonen und die einer Gleitsichtbrille gleich aus mehreren Zonen mit unterschiedlicher Dioptrienstärke. Die Bifokalbrille ermöglicht daher das Sehen in Ferne und Nähe und die Gleichtsichtbrille stufenloses Sehen in mehrere Entfernungen.
Bildschirmarbeitsplatzbrille, Raumbrille
Die Bildschirmarbeitsplatzbrille ist ähnlich wie eine Gleitsichtbrille aufgebaut. Eine normale Gleitsichtbrille ist für die Bildschirmarbeit dennoch ungeeignet. Sie ermöglicht zwar in mehrere Entfernungen scharfes Sehen, aber besitzt für mittlere Entfernungen nur schmale Zonen. Das heißt, mit einer normalen Gleitsichtbrille müssen Sie bei Bildschirmarbeit immer die richtige Zone "suchen". Die Bildschirmarbeitsplatzbrille ist speziell für den Lese- und Mittelbereich ausgerichtet.
Eine Raumbrille ist eigentlich nichts anderes als eine Bildschirmarbeitsplatzbrille, die aber auf bis zu 3 Meter ein scharfes Bild ermöglicht. Sie ist besonders für Personen geeignet, die neben Computerarbeit und Lesen beispielsweise im Büro auch andere Arbeiten zu verrichten haben.
Sonnenbrille mit Dioptrienstärke
Sommer wie Winter ist es wichtig, nicht nur auf der Haut einen wirksamen UV-Schutz zu tragen, sondern auch die Augen mit einer geeigneten Sonnenbrille zu schützen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ablauf der Kontaktlinsenanpassung

Nach einer eingehenden Beratung werden beim ersten Besuch mit einer Laser Scanning Methode die Hornhautoberfläche (Hornhauttopographie) und mit verschiedenen Gläsern die Dioptrienstärke der Augen (Refraktion) genau vermessen. Weiterhin ist die Beurteilung des Tränenfilms von äußerster Wichtigkeit, da hier vor allem der Tragekomfort der Linse wesentlich ist. Welche Kontaktlinsenart für Sie die richtige ist, wird in einem beratenden Gespräch geklärt. Die persönlichen Ansprüche an das Sehvermögen und die Lebensgewohnheiten spielen bei der Wahl der richtigen Kontaktlinse eine große Rolle.

Weiche Kontaktlinsen

Nach der Vermessung der Augen bestellt Frau Kobler (Augenoptikermeisterin) Probelinsen für Sie. Nach einer Lieferzeit von etwa einer Woche erhalten Sie diese und bekommen, falls notwendig, eine Schulung zur richtigen Verwendung und Pflege der Linsen. Nach 3 Wochen findet die nächste Kontrolluntersuchung statt. Kommen Sie mit den Linsen gut zurecht, wird die nächste Kontrolle nach 3 Monaten geplant.

Formstabile "harte" Kontaktlinsen

Nach der Ermittlung der ausschlaggebenden Werte erhalten Sie eine Anpasslinse, die Sie für ungefähr eine halbe Stunde zur Probe tragen. Wird die Linse akzeptiert, bestellen wir diese für Sie (Lieferzeit etwa eine Woche). Es findet dann mit der gelieferten Linse eine nochmalige Vermessung der Augen statt. Je nach Tragekomfort, Sitz und subjektivem Empfinden kann sie behalten oder eine andere Anpasslinse erprobt werden. Natürlich erhalten Sie auch bei formstabilen Linsen eine Schulung zum richtigen Einsetzen, Entfernen und Pflegen Ihrer Kontaktlinsen.

Was ist besser: Weiche oder harte Linsen?

Es muss individuell entschieden werden welche Linse für den Patienten am besten geeignet ist. Ab einer Hornhautverkrümmung von circa 1,5 Dioptrien sollten harte Linsen gewählt werden. Sie bilden eine glattere Oberfläche zwischen Linse und Hornhaut und schaffen dadurch einen besseren Seheindruck. Ist ein Patient von trockenen Augen geplagt, sollten ebenfalls harte Linsen gewählt werden, denn sie schwimmen auf der Hornhautoberfläche und lassen mehr Sauerstoff an die Augenoberfläche kommen. Mittlerweile gibt es auf dem Markt spezielle weiche Linsen, so genannte Silikonhydrogel-Linsen, die mehr sauerstoff- und wasserdurchlässig sind als herkömmliche weiche Linsen und deshalb auch bei trockenen Augen getragen werden können. Für einfache Dioptrienstärken (d. h. mittelstarke Kurz- oder Weitsichtigkeit ohne oder mit nur geringer Hornhautverkrümmung), für gelegentlichen Gebrauch (z. B. nur zum Sport) und für Patienten die bei Augenkontakt sehr empfindlich reagieren, sind weiche Kontaktlinsen besser geeignet.

Die richtige Pflege - Wie lange halten Kontaktlinsen?

Von äußerster Wichtigkeit ist die richtige Kontaktlinsenhygiene. Es gibt für jede Linsenart ein spezielles Pflegemittel. Weiche Monatslinsen können, wie der Name sagt, mit der entsprechenden Pflege einen Monat verwendet werden. Weiche Tageslinsen (auch "Wegwerflinsen" genannt) bedürfen keiner besonderen Pflege, denn sie werden nach dem Tragen am Ende des Tages entsorgt. Harte Kontaktlinsen können bei der richtigen Pflege bis zu einem Jahr getragen werden. WICHTIG: Sollte während dem Tragen von Kontaktlinsen eine Entzündung auftreten, suchen Sie bitte umgehend einen Augenarzt auf, um abzuklären, ob diese durch Bakterien oder Viren verursacht wurde. Da sich die Keime dann überall befinden können, müssen auf jeden Fall nicht nur die Kontaktlinsen selbst, sondern auch das gesamte Pflegesystem entsorgt werden.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für Kontaktlinsen und Brillen werden von den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich nicht übernommen. Nur bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Keratokonus) ist die Anpassung von Kontaktlinsen als medizinisch notwendig eingestuft und wird bezahlt. Private Krankenversicherungen übernehmen, je nach der vertraglichen Vereinbarung die der Patient mit der Kasse getroffen hat, einen Teil der Kosten. In jedem Fall müssen die Kosten vom Patienten zunächst privat bezahlt werden. Da wir unsere Kontaktlinsen von einem Optiker beziehen, erhalten Sie von ihm die Rechnung.
 

Spezialsprechstunde

Jeden Montag bieten wir vormittags eine Spezialsprechstunde für die Anpassung von Brillen und Kontaktlinsen an. Unsere Augenoptikermeisterinnen werden sich gerne Ihrer annehmen und stehen Ihnen zur Beratung, Untersuchung, Anpassung und Schulung zur Verfügung. Gerne vereinbaren wir mit Ihnen einen Termin:

Allgemeinambulanz:     (089) 4140 - 2310

Privatambulanz:             (089) 4140 - 2320

 

Stand der medizinischen Information ist Januar 2017.